Pfingsten zu den Ostfriesischen Inseln

… der perfekte T├Ârn. Nachdem der erste Anlauf am 1. Mai ja nicht geklappt hatte, lief es diesmal optimal. Aber der Reihe nach:

Tag 1 - Die Anreise

Samstag lief es ideal. Pr├Ąchtiger Wind aus einer angenehmen Richtung und gutes Wetter. Am Anfang mal kurz leichter Spr├╝hregen, aber dann klarte es wieder auf und es wurde sonnig. Ablegen um 10:15 - eine halbe Stunde nach Hochwasser. Der Strom schob noch zus├Ątzlich an. Erst mit etwa einem, sp├Ąter auch mit 2 Knoten. Das hielt dann bis kurz vor Cuxhaven wo ich um 15:15 war.

Viel zu fr├╝h um Pause zu machen, also weiter. In der Au├čenelbe kam der Strom dann gegenan. Teilweise mit 4 Knoten. An den 2 Tonnen, wo ich das schonmal erlebt hatte waren wieder ordentliche Stromkabbelungen zu sehen. So etwa 1m Seegang, wo es sonst weniger als 30cm waren. Aber noch gut im gr├╝nen Bereich. Bei schlechtem Wetter wird es hier aber dann vermutlich ungem├╝tlich. Es lief so gut, da├č ich beschlo├č weiter nach S├╝den zu fahren. Schah├Ârn war um 18:00 erreicht und ich konnte den Leuchtturm Alte Weser (also der bei dem Leuchtturm Roter Sand) schon sehen. Um 19:25 hab ich dann zum zweiten Male den Leuchtturm Roter Sand erreicht und bin weiter nach Wangerooge.

Leuchtturm Roter Sand Leuchtturm Roter Sand Leuchtturm Roter Sand kommt in Sicht

Leuchtturm Roter Sand Leuchtturm Roter Sand Leuchtturm Roter Sand - Der “klassische” Leuchtturm

Vor Wangerooge hab ich wieder Lehrgeld gezahlt und Erfahrungen gesammelt! =:-) Ich hab mir die Harle, das Seegatt zwischen Wangerooge und Spiekeroog durchaus vorher auf der Karte angeschaut. Aber nicht ganz richtig. Will sagen, mir ist da ein Detail entgangen (das auf einer anderen Karte allerdings etwas besser raus kam). Hier konnte man dem Tonnenstrich nicht so einfach folgen, sondern mu├čte die eine Rote rechts und nicht links, wie sonst ├╝blich, liegen lassen. Auf einmal befand ich mich in Brandung (von See kommend sieht man die n├Ąmlich nicht so richtig!) Kurz gewundert und dann gingen die Alarmglocken an - das Wasser wurde flach! 1,5m und fallend! Der Wind kam von hinten, also ging nur Ausweichen nach links oder rechts. Da├č das Schwert hoch kam war egal, aber die Pinne bereitete mir Sorgen. Mit aufgeholtem Ruderblatt hat man so viel Ruderdruck, da├č man denkt es bricht gleich.

Ohne vern├╝nftig Steuern zu k├Ânnen wird es aber kompliziert - also erstmal die Fock weg gerollt, die Fahrt aus dem Schiff genommen und das Schiff quer zum Wind gelegt. Ich hoffte jetzt ├╝ber das Flach weg treiben zu k├Ânnen. Mit eingezogenen Beinen hatte ich noch etwa einen Meter Wasser unter mir und es sah nicht so aus, als ob es noch flacher werden w├╝rde. Gundber├╝hrung war also h├Âchstwahrscheinlich nicht zu bef├╝rchten. Nach einer Weile als es immer noch nicht tiefer werden wollte, hab ich nochmal mit dem GPS auf die Karte geschaut und gefunden, da├č ich schon an der Tabaksplate war. Der Motor reicht (in diesem Falle zum Gl├╝ck) nicht so tief ins Wasser, so da├č ich mit dem Motor dann gelenkt habe um das Ruderblatt zu schonen. So hab ich mich dann zur n├Ąchsten Tonne des Fahrwassers gemogelt - Uff!

In Wangerooge war dann schon fast Niedrigwasser und man w├Ąre sowieso nicht in den Hafen gekommen. Also hab ich mich in der Bucht daneben trocken fallen lassen. Langsam aufs Ufer zu fahren und ssst, irgendwann sitzt man auf. Bei dem weichen Schlick kein Problem. Dumm nur, da├č mein Echolot bei diesen geringen Wassertiefen spinnt. Unterhalb von einem Meter zeigt es nur M├╝ll an man wei├č also nie genau wie tief es nun wirkich ist. Egal - wenn man vorne aufsetzt ist hinten noch genug Wasser f├╝r den Motor.

Um 22:15 lag ich dann fest hinter Wangerooge.

Tag 2 - Mein erstes Wattfahrwasser

Am Sonntag wollte ich dann mal ein Wattfahrwasser ausprobieren. Um 15:00 war Hochwasser, da mu├čte ich dann dort sein, denn nur bei Hochwasser steht genug Wasser ├╝ber dem Watt, da├č man durch kommt. Bei Niedrigwasser f├Ąllt das Wattfahrwasser trocken. Also ein geruhsamer Morgen, denn fr├╝her losfahren bringt ja nichts. Dann der n├Ąchste Fehler - ein Rechenfehler. Man kommt da n├Ąmlich nur durch wenn man die Mitte des Weges bei Hochwasser trifft. Aus irgendeinem Grunde (hab vermutlich mit dem Stechzirkel nur eine halbe statt einer Seemeile abgegriffen - der Ma├čstab der Karte war so gro├č) hatte ich die Entfernungen falsch abgegriffen und doppelt so gro├č angesetzt, wie in real. Und dann war ich auch noch schneller als die gesch├Ątzten vier Knoten. Ich war also viel zu fr├╝h dort und es war noch gar nicht genug Wasser da.

Aber sch├Ân war es! In einem Priel zu fahren, der dann nicht viel breiter ist als das Schiff. Geruhsame Fahrt bei einer lauen Brise und mutterseelenallein im Watt. Als ich an einer Seehundbank vorbei kam, ist dummerweise die Kamera runter gefallen und hatte erstmal keinen Strom mehr, bis ich sie neu zusammengebaut hatte. Also keine sch├Ânen Bilder von Seehunden - nur welche aus der Ferne.

Herde Robben auf der Sandbank Herde Robben auf der Sandbank Eine Herde Robben auf der Sandbank

Das Wasser war wieder so flach, da├č ich auch die Pinne hoch nehmen mu├čte. Mit achterlichem Wind hatte ich es f├╝r schlau gefunden, nur mit der Fock zu fahren. Zum einen kann man sie schnell weg rollen wenn es zu flach wird und zum anderen w├Ąre es Wahnsinn mit 8 kn durch das Wattfahrwasser brettern zu wollen. Sp├Ąter hab ich dann gelesen, da├č das eine allgemein angesagte Taktik ist. ;-) Kurz vor dem Hoch des Fahrwassers ging es dann nicht mehr weiter- man konnte sehen, da├č weiter vorne noch gar kein Wasser stand.

Ende im Gel├Ąnde Ende im Gel├Ąnde Ende im Gel├Ąnde

Sicherheitshalber hab ich noch einen Anker geworfen (aber den leichten, damit ich nicht so viel schuftgen mu├č, wenn ich ihn wieder rein hole), damit ich nicht aufs Watt getrieben werde und abgewartet. Als ich dann am Horizont gesehen habe wie andere durch das andere Wattfahrwasser in der N├Ąhe gefahren sind, bin ich auch wieder los - diesmal erstmal mit Motor. Noch immer etwas zu fr├╝h, denn an der flachen Stelle hab ich ordentlich Dreck aufgewirbelt. Das Wasser hatte jetzt das ganze Watt schon bedeckt, so da├č man nur noch an den Pricken lang fahren konnte. Vorher, bei dem wenigen Wasser war es reizvoller, also hatte es auch sein gutes zu fr├╝h dran gewesen zu sein. Zus├Ątzlich setzte eine Weile lang der Gezeitenstrom quer ├╝ber das Fahrwasser hinweg, so da├č man ordentlich gegen halten mu├čte. Nur mit Segeln h├Ątte das problematisch werden k├Ânnen - jedenfalls wenn man mit aufgeholter Pinne nicht ordentlich steuern kann.

Der Rest zum Hafen von Spiekeroog war dann kein Problem. Aus lauter Faulheit hab ich das Gro├čsegel unten gelassen und bin die ganze Zeit nur mit der Fock gesegelt. Zwar langsam, aber ich hatte ja Zeit - den Tag hab ich ja nur 11,6 sm gemacht.

In Spiekeroog hab ich mich dann wieder neben dem Hafen aufs Watt fallen lassen und sp├Ąter, als ich aussteigen konnte, dann einen Zug durch den Ort gemacht. Etwas Warmes zu futtern gab es im Ort aber nichts mehr - die Restaurants hatten nur K├╝che bis 21:00 und ich war 21:15 erst dort - mu├čte ja warten bis das Wasser weit genug weg war. Aber f├╝r ein Eis langte es noch.

Der Anker (im Vordergrund) ist im Moment nicht n├Âtig ;-) Der Anker (im Vordergrund) ist im Moment nicht n├Âtig ;-) Der Anker (im Vordergrund) ist im Moment nicht n├Âtig ;-)

Der Hinterste bin ich Der Hinterste bin ich Der Hinterste bin ich

Tag 3 - Ein kurzer H├╝pfer nach Langeoog

Die Abfahrt am Montag war nicht ganz so einfach. Das Wasser war schon wieder am Fallen und der Wind hatte leicht gedreht, so da├č ich am Anker mehr ├╝ber dem flachen Wasser lag. Ich war fast schon wieder fest, aber bei dem geringen Tiefgang konnte ich einfach aussteigen und das Boot ins tiefe Wasser schieben ohne mir den Hintern na├č zu machen. Dann kurz mit der Maschine einen Heckanker ausgebracht (zum Gl├╝ck hab ich ja jetzt zwei Anker an Bord). Das Ziehen wurde mir dann zu schwer, so da├č ich nochmal ausgestiegen bin und den Buganker zu Fu├č geholt habe. Er lag ja auch in flachem Wasser. =:-)

Nach Langeoog war es nicht so weit. Da ich nicht wieder aufs n├Ąchste Hochwasser warten wollte um nochmal ein Wattfahrwasser zu probieren, bin ich durchs Seegatt und au├čen rum gefahren. Da war ich viel zu schnell vor Langeoog, so da├č ich einfach weiter gefahren bin und dann zwei Stunden sp├Ąter vor Juist umgedreht habe. Herrliches Segeln bei halbem Wind (4 Bft und 8kn Fahrt im Schiff) Auf dem R├╝ckweg kam mir etwas spanisch vor. Das GPS zeigte einen Kurs ├╝ber Grund von 080┬░ (oder weniger) an, aber LAT wurde nicht gr├Â├čer obwohl es das bei dem Kurs h├Ątte m├╝ssen. Auch sah es dann so aus, als w├Ąre ich viel weiter unter Land, als ich wollte. Hab dann sicherheitshalber angeluvt und meine Tonne dann auch gefunden. Bei 070┬░ statt der 080┬░ die ich es eigentlich h├Ątten sein sollen. Ich war also tats├Ąchlich zu tief gefahren … Diesmal hab ich nat├╝rlich ganz genau gepr├╝ft wie ich durchs Seegatt komme - aber dieses war auch einfacher als das vor Wangerooge.

In Langeoog hab ich mich wieder vor Anker gelegt. Hafengeld bezahlen wenn ich nur ├╝bernachte und am n├Ąchsten Morgen um 6:00 schon wieder weiter will - n├Â. ;-) Es war zwar nicht so richtig gem├╝tlich aber knapp neben der Prickenreihe die das Fahrwasser begrenzte, hab ich ein Pl├Ątzchen gefunden, wo ich mich trocken fallen lassen konnte. Nach aktueller Planung m├╝├čte ich dann Morgen um 05:00 wieder aufschwimmen. Also brauchte es keine Ankerwache f├╝r die Nacht. Wenn man auf dem Trockenen liegt, kann einen weder einer umfahren noch kann sich der Anker l├Âsen. ;-)

Die Pricken markieren das Fahrwasser - nicht weit weg, aber es reicht Die Pricken markieren das Fahrwasser - nicht weit weg, aber es reicht Die Pricken markieren das Fahrwasser - nicht weit weg, aber es reicht

Abendstimmung in Langeoog Abendstimmung in Langeoog Abendstimmung in Langeoog - das Wasser zieht sich langsam zur├╝ck

Tag 4 - Die R├╝ckreise

F├╝r die Planung habe ich nat├╝rlich die Wetterberichte im Auge gehabt. Der Wetterbericht f├╝r den Dienstag sah gut aus:

K├╝stenwetterbericht herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst, Seewetterdienst Hamburg am 02.06.09, 06.00 GZ

Vorhersagen g├╝ltig bis heute Mitternacht:

Nordseek├╝ste: Ostfriesische K├╝ste: Nord bis Nordwest 4 bis 5, zunehmend 6, anfangs diesig, Nebelfelder. Elbm├╝ndung: Nordwest 4, zunehmend 6, anfangs strichweise diesig. Helgoland: Nord bis Nordwest 5, zunehmend 6 bis 7, strichweise diesig. See zunehmend 2 Meter. Nordfriesische K├╝ste: Nordwest um 4, zunehmend 6 bis 7, gute Sicht. Elbe von Hamburg bis Cuxhaven: Nord bis Nordwest zunehmend 4, Cuxhaven sp├Ąter 6, Fr├╝hnebelfelder.

Nachdem der Wind die Tage vorher aus Nordost gekommen war und ich nach Hause h├Ątte kreuzen m├╝ssen hei├čt Nordwest, da├č ich einen Anlieger fahren kann wenn ich aus dem Seegatt raus bin. Auch die Elbe hoch kommt der Wind dann von hinten und 4 Bft im Mittel sind eine angenehme Brise. Wegen der langen Strecke kein Abstecher zum Leuchtturm Roter Sand, sondern der direkte Weg. Aber auch der h├Ąlt mich au├čerhalb der Route f├╝r die Gro├čschiffe - also ist mit nur wenig Verkehr zu rechnen. Die Geschwindigkeit und die Gegenstr├Âme sollten mit denen der Hinreise vergleichbar sein. Fixpunkt ist die Tonne 3 am Eingang der Elbe vor Schah├Ârn. Da will ich um 13:00 sein um dann das Niedrigwasser in Cuxhaven um 16:00 zu treffen. Zur├╝ck gerechnet hei├čt das Anker auf in Langeoog um 06:00. Vermutliche Ankunft in Wedel dann um 21:00. So viel zur Planung. ;-)

Um 04:45 bewegte sich das Boot das erste Mal wieder - das Wasser kam zur├╝ck. Ich fand es eine schlaue Idee ordentlich zu futtern, bevor es los geht. Also die warme Mahlzeit Morgens um F├╝nf. =:-) War auch gut so, denn w├Ąhrend der Fahrt bin ich zu nichts gekommen. Auch den Tee, den ich mir gekocht hatte, hab ich dann nicht getrunken.

Gegen Sieben dann den Anker hoch und los gefahren. Im Hafen waren noch laue 10kn Wind, aber als ich aus der Abdeckung raus kam waren es schon 20 kn, also 4 Bft. wie angesagt. Der Tag versprach also angenehm zu werden.

Das Seegatt hab ich noch bei auflaufendem Wasser durchfahren. Hatte daher zwar Gegenstrom und mu├čte auch genau gegen den Wind fahren, aber ich brauchte die Zeit, weil ich eine “Verabredung” vor Schah├Ârn hatte. Wie in den Beschreibungen zu lesen, war der Seegang im Gatt etwas rauher. Links und Rechts immer mal wieder leichte Brandungsfelder wo es flach war, aber das Wetter war ja gut und alles easy, da ich gestern ja den anderen Weg gefahren bin und wu├čte wo die Tonnen lagen. Da der Wind genau von Vorne kam, mu├čte ich motoren - etwas unsportlich, aber ich wollte ja nach Hause.

Ab der Ansteuerungstonne dann den direkten Kurs zur Tonne 3 im Elbeingang vor Schah├Ârn abgesetzt. Seegang bis zu einem Meter. Hab sicherheitshalber ein Reff ins Gro├čsegel gemacht und mit etwa 8-10 kn ging es in Richtung Heimat - am Horizont die ostfriesischen Inseln. Sonne am Himmel, ordentliche Fahrt im Schiff - was will man mehr?

Beim Queren der Weser gab es jede Menge dicke P├Âtte. Einige lagen auf Reede, einige fuhren. Nicht einfach geradeaus, sondern sie drehten mal hierhin, mal da hin, da sich dort mehrere Fahrwasser treffen. Bei Nacht bekommt man da wohl graue Haare, wenn man da durch will. Bei Tag ist das aber alles kein Problem. Mal ein paar Grad abfallen oder anluven und man kann sich gut frei halten - insbesondere wenn man da mit diesem Speed durch rauscht.

Hinter der Weser hatte ich den Eindruck, da├č die See etwas rauher wurde. Der Seegang kam nicht sch├Ân aus einer Richtung, sondern war etwas kabbelig mit einer Grundd├╝nung aus Westen.

Bei dem Seegang war die Tonne 3 vielleicht keine so schlaue Wahl, denn sie liegt recht dicht bei Schah├Ârn und aus meiner Richtung geht es da ├╝ber recht flaches Wasser. Durch die Grundeffekte ist dort ja mit steilerer unnangenehmer See zu rechnen. Also hab ich etwas h├Âher gehalten um mit mehr Abstand zum flachen Wasser den Eingang zur Elbe zu suchen. Dabei hab ich nicht in die Karte geschaut, sondern einfach etwas h├Âher gehalten, als das GPS anzeigte und bin dann den gro├čen P├Âtten gefolgt, die brauchten ja das tiefe Wasser, was ich auch gesucht habe.

Ab der Untiefentonne West vor Schah├Ârn hie├č es dann abfallen in Richtung Elbe. Der Seegang war recht ordentlich. Die H├Âhe der Wellen kann man schlecht sch├Ątzen, aber 2m werden darunter gewesen sein. Sie fingen schon an zu brechen. Ich war schon gegen 12:00 dort - etwas fr├╝her als geplant. Und auch bei meiner geplanten Zeit w├Ąre ich gegen das ablaufende Wasser gefahren. Erstmal nur eine Strafe bei der Geschwindigkeit mit der man voran kommt. Der Seegang war drau├čen auf See aber h├Âher war als erwartet. Auf dem Weg nach Cuxhaven stand dann ja Strom gegen Seegang und Wind - das klassische Bild, da├č sich die Wellen aufsteilen. Das Seehandbuch spricht an dieser Stelle auch davon, da├č sich dort schon bei moderaten Windverh├Ąltnissen um 4 Bft. Bedingungen aufbauen k├Ânnen, die dieses Seegebiet f├╝r kleine Boote unpassierbar machen. Hmm, die Zutaten daf├╝r waren also gegeben - hei├čt das, da├č ich da jetzt nicht mehr durch kam? Allerdings hatte ich mir auch die Seegangsvorhersagen angeschaut. Der Seegang wurde nur noch h├Âher, kein Wunder, denn ein Windfeld lag dann ├╝ber der Nordsee. Also wurden die Bedingungen nur noch schlechter. Wenn, dann also jetzt und sonst erst wieder in ein paar Tagen. Helgoland w├Ąre die Alternative gewesen. Da wettert man ab, wenn es nicht mehr in die Elbe geht. Von dort aus geht ja eine F├Ąhre …

Also erst mal schnuppern wie es so ist. Mit einem Reff im Gro├č und reduzierter Fock bei raumem Wind bretterte ich also Richtung Cuxhaven. Dauernd kam die Kiste ins surfen und scho├č vorne die Welle runter. Manchmal ging es dann vorne in die n├Ąchste Welle rein und Wasser kam ├╝bers Vorschiff. Das alles wurde mir zu viel - ich war zu schnell und mu├čte die Geschwindigkeit reduzieren. Also hoch an den Wind und das zweite (und damit letzte) Reff ins Gro├čsegel gebunden und dann die Fock noch weiter reduziert. Ein Blick auf den Windmesser zeigte 30kn Wind - das sind satte 7 Bft. Zwischendurch kamen noch B├Âen rein, die noch st├Ąrker waren und das Boot nach vorne h├Ąmmerten - das werden dann wohl so um die 8 gewesen sein. Das ist die Grenze dessen was das Handbuch f├╝r den Dragonfly f├╝r diese Besegelung angibt (OK, da werden noch Sicherheitsreserven drin gewesen sein und au├čerdem fuhr ich mit raumem Wind …).

Also weiter im Text. Immer noch war ich sehr schnell. Viele der gro├čen Wellen hab ich abgesurft. Die Welle hebt das Heck an und man schaut vorne nur in eine in der Elbe br├Ąunliche Wassermasse. Die Geschwindigkeit steigt auf 13 und mehr Knoten und man rast vorne auf der Welle. Allerdings ist das Schiff f├╝r diese Geschwindigkeiten gemacht und liegt dabei sehr gut auf dem Ruder. F├╝r diese Verh├Ąltnisse f├Ąhrt sich das Schiff fast wie auf Schienen: Wenig Ruderdruck und es folgt willig allen Ruderbefehlen ohne da├č ich sehr viel Ruderdruck aus├╝ben mu├č. Wenn der Wind also nicht dramatisch mehr wird und der Seegang weiterhin einigerma├čen aus einer Richtung kommt und weiter vorne keine Bereiche mit Kreuzseen kommen, dann sollte die Einfahrt nach Cuxhaven machbar sein. (Eine Umkehr jetzt w├Ąre dann auch richtig in Arbeit ausgeartet …)

Ich hab ja nicht die Erfahrungen mit anderen Booten, aber eine schwere Kielyacht h├Ątte wohl mehr zu k├Ąmpfen gehabt. Sie kommt nicht so einfach ins Gleiten. Damit werden die Wellen wohl unter dem Schiff durch rollen und das Schiff jedes Mal aus dem Kurs zu werfen versuchen. Diesen Effekt hab ich nicht so sehr gesp├╝rt - wohl weil der Dragonfly so leicht ist und schnell beschleunigt. Allerdings mu├č er dabei aktiv gesteuert werden - sonst klappt das alles nicht. Ausruhen und Pennen war also nicht.

Am Anfang hab ich mich etwas weiter von den S├Ąnden weg gehalten. Im Falle da├č ich Probleme bek├Ąme wollte ich mehr Platz zum Reagieren haben. Also fuhr ich in der Mitte des Fahrwassers. Es war wenig Verkehr und ich sowieso das einzige Segelschiff weit und breit. Es war ja ein normaler Arbeitstag und die Ausfl├╝gler schon l├Ąngst zu Hause. Da fragt man sich schon manchmal was man da so mutterseelenallein macht.

Von der Geschwindigkeit konnte ich fast mit den Gro├čschiffen mithalten. Als ich dann bei Neuwerk Reede ankam war mehr Platz nach Lee und ich wollte aus dem Fahrwasser fahren. Nat├╝rlich habe ich den Kurs nur behutsam ge├Ąndert. Weit hinten kam ein Containerfrachter an. Der hatte mich offenbar auf dem Radar und merkte meine Kurs├Ąnderung. Da ich vor ihn fuhr dachte er wohl ich h├Ątte ihn nicht gesehen. Ich wollte aber weiter r├╝ber und neben dem Fahrwasser fahren. F├╝r mich ist es da tief genug und ich mu├č dann nicht mehr auf die Gro├čschiffe achten. Dem Containerdampfer war das aber wohl erstmal nicht geheuer und er hupte mich an, obwohl er noch sehr weit weg war. Sehr aufmerksam von ihm! Aber was sollte ich tun? An die Funke konnte ich nicht. Ich brauchte alle meine Sinne um zu steuern. Ob die mich im Fernglas hatten? Keine Ahnung, denn mein Handzeichen, da├č ich sie gesehen hatte hatten sie wohl nicht gesehen. Sie hupten noch weiter. Aber dann m├╝ssen sie meinen Plan wohl begriffen haben als ich dann rechts au├čerhalb des Fahrwassers fuhr. Passiert haben sie mich dann eine Viertelstunde sp├Ąter - so gering war der Geschwindigkeitsunterschied. =:-)

Immer mal wieder kam eine Gruppe von gro├čen Wellen und manchmal wurde das Wellenbild auch etwas unruhiger. Aber die ganze Zeit war es beherrschbar - Fahrfehler w├Ąren aber fatal gewesen. Vor Cuxhaven mu├čte ich dann platt vor dem Laken fahren. Eine Situation in der ich mich immer unwohl f├╝hle. Jetzt eine Patenthalse und das Rigg w├╝rde von oben kommen. Also Zunge gerade halten und ganz genau steuern. Bei Cuxhaven wurden die Wellen zwar kleiner, aber daf├╝r das Wellenbild chaotischer. ├ťber die Medem-S├Ąnde setzte der Strom und brachte Unordnung ins Wellenbild - immer noch herrschte ablaufendes Wasser und ich war eine Stunde vor Hochwasser dort. Die Wellenh├Âhe war aber nur noch einen halben Meter oder weniger - also im Gr├╝nen Bereich. Nur war es nicht gem├╝tlich.

Richtung Brunsb├╝ttel hie├č es dann wieder anluven. Immer noch blies es mit 6-7. Zwischendurch einige B├Âen, wo das Boot zeigte, da├č es sich auch nicht mehr ganz so wohl f├╝hlte. Aber recht glattes Wasser wo man keine Anst haben mu├čte da├č der Leeschwimmer durch eine Welle pl├Âtzlich unterschneidet. Noch ging es also.

Die Front war dann wohl durchgezogen. Nachdem es am Anfang sonnig war zog es sich Mittags ja zu. Hinter Brunsb├╝ttel klarte der Himmel wieder auf und der Wind nahm etwas ab. Als ich dann mit dem Gedanken spielte ein Reff aus dem Gro├č zu sch├╝tteln kam wieder eine B├Â, die mich nach vorne h├Ąmmerte und ich verwarf den Gedanken. Ich wollte nach Hause und keine Rekorde brechen. Der Gegenstrom hielt erstaunlicherweise bis etwa Stade an - ich war wohl zu schnell unterwegs und die Flut holte mich nur sehr langsam ein. Gegen 20.30 bin ich dann in Wedel angekommen schnell eingeklappt und angelegt. Uff, das war geschafft - so langsam war dann auch gut. =:-)

Alles in allem ein perfekter T├Ârn. Hatte von allem etwas. Erst optimale Bediungen f├╝r die Anreise zu den ostfriesischen Inseln. Abends die erste Lernstunde bei daf├╝r optimalen Bedingungen. Es war ja nicht kritisch, aber trotzdem so, da├č einem der Ernst der Lage klar wurde, w├Ąren schlechtere Bedingungen gewesen. Ich denke da├č dieses Gat auch eines der komlizierteren war. Das Wattfahrwasser war die n├Ąchste Erfahrung, mal abgesehen da├č es wundersch├Ân war. Und die R├╝ckfahrt lief ja auch anders als geplant. H├Ątte ich gewu├čt, da├č da 7 Bft. herrschten, w├Ąre ich nicht gefahren und h├Ątte woanders parken m├╝ssen. So aber habe ich das Boot auch in schwierigeren Bedinungen kennen - und auch sch├Ątzen gelernt. Man kann ihm schon einiges zutrauen.

Da die Selbsteueranlage die Wellen nicht so sauber aussteuern konnte - insbesondere nicht bei der Einfahrt nach Cuxhaven mu├čte ich fast die ganze Zeit selber steuern. Sp├Ąter auch deswegen um im Falle einer B├ besser reagieren zu k├Ânnen. Heute hab ich Muskelkater … =:-)